Zu Gast bei den "Priener Stadtmusikanten"

Die Generalprobe des Kleinen Theaters Prien war ein kulturelles Ereignis der besonderen Art. Bei der kindgerechten Aufführung des Stückes die "Priener Stadtmusikanten" - eine Abänderung des Märchens die Bremer Stadtmusikanten von den Gebrüdern Grimm - hatten unsere Flüchtlingskinder und Begleiter viel Freude und Spaß. Ehrfurchtsvoll verfolgten sie die Darbietung, die im Inhalt durchaus sehr aktuell war, so steht ja Vertreibung, Flucht und Neuanfang im Fokus diesen Märchens. Wenn auch die Sprache nicht unbedingt verstanden wurde, da kein Wort Arabisch, Dari oder Lingala gesprochen wurde, waren die 13 Kinder und 6 Erwachsenen trotzdem begeistert und sagen recht herzlich Danke für die Einladung und den tollen Nachmittag.

Strukturen müssen ausgebaut werden

Als der Bürgermeister bei der Informationsveranstaltung über die Errichtung der Wohnanlage für anerkannte Asylbewerber in der Baumannstraße bekanntgab, dass bei der Gemeinde ein Bauantrag für eine weitere private Unterkunft am Anger für bis zu 60 Asylbewerber eingegangen ist, ging ein Raunen durch den Saal. Diese Information war sowohl für die anwesenden Bürger als auch für die Helfer der Flüchtlingshilfe neu und sorgte für einige Fragen im Anschluss an den Informationsteil. Hier wurden neben den Erfahrungen im Umgang mit den bereits im Ort lebenden Flüchtlingen auch die Ängste einiger Einheimischer und der Umgang mit den zukünftigen Neuankömmlingen thematisiert . Insbesondere die durch die Belegung der Turnhalle mit ca. 240 Asylbewerbern bedingten Probleme im Nachbarort Prien sind Grund für die Befürchtung einiger Bernauer, dass es hier im Ort zu ähnlichen Entwicklungen kommen könnte.
Herr Feitl, der Vorsitzende der Flüchtlingshilfe, konnte zumindest für die 70 bereits in Bernau untergebrachten Flüchtlinge und Asylbewerber anführen, dass es keine Probleme mit diesen gibt, was auch durch die zahlreichen, anwesenden Bernauer bestätigt wurde. Als Antwort auf die Sicherheitsbedenken gab Bürgermeister Bernhofer im Einklang mit der Bernauer Flüchtlingshilfe den Hinweis auf das Konzept „Sicherheit durch Integration“. Je besser sich die Asylbewerber mit unseren Rechten und Pflichten auskennen und im Ort eingebunden sind, um so unwahrscheinlicher werden Konflikte. Selbst die kritischsten Bürger an diesem Abend konnten auch auf Nachfrage keine Alternativen zu diesem Konzept nennen.
Bei einem Zuwachs von bis zu 120 Asylbewerbern und anerkannten Flüchtlingen ist diese Aufgabe aber nicht mehr mit den jetzigen Mitteln der Bernauer Flüchtlingshilfe zu stemmen. Neben grundsätzlichen Verbesserungen der Strukturen innerhalb des Vereins und der Suche nach weiteren Helfern ist zudem eine hauptamtliche Stelle dringend erforderlich, um die täglich anfallenden Aufgaben zu bewerkstelligen. Nur so ist der Verein zuversichtlich, dass das Konzept „Sicherheit durch Integration“ funktionieren kann.
Das Thema „Asyl und Flüchtlinge“ führt immer zu Diskussionen, die die politischen Entscheidungen – egal welcher Richtung – in Frage stellen. Weder der Verein noch die Gemeinde können allerdings an diesen Entscheidungen etwas ändern. Die Aufgabe hier im Ort kann also nur darin bestehen, gemeinsam die Folgen dieser Entscheidungen zum Wohle aller Menschen in Bernau so gut wie möglich zu meistern.

 

Sport als Integrationshilfe

Im Rahmen der Integrationsbemühungen unseres Vereins kicken Flüchtlinge auf dem Platz beim TSV Bernau mit. Derzeit sind zwei Flüchtlinge für die Erste und Zweite Herrenmannschaft aktiv im Spielbetrieb. Die beiden stellen eine sehr gute Verstärkung der Mannschaften dar. Im Schnitt machen drei bis fünf weitere Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea, Afghanistan und Mali beim Trainingsbetrieb mit. Vor kurzem ist bei den C-Jugendlichen ein 13-jähriger Bub aus Somalia dazu gestoßen. Die Kommunikation im Training ist nicht immer leicht, jedoch werden die Jungs aus den Flüchtlingsländern großartig von Spielern und Trainern integriert. Sie werden auch außerhalb des Platzes zu Ausflügen, Treffen oder sonstigen Veranstaltungen mit eingeladen.
Im Rahmen der Aktion „1:0 für ein Willkommen“ hat die Egidius-Braun-Stiftung (ehemaliger DFB-Präsident) der Fußballabteilung des TSV Bernau einen Scheck über 500 € überreicht (siehe Pressefoto). Das Geld ist zweckgebunden für die Flüchtlingsarbeit: für die Ausstattung und Unterstützung der im Verein spielenden Kinder und Erwachsenen. In der Abteilung Fußball des TSV Bernau sind sich alle einig, dass unsere Flüchtlinge allesamt vernünftige und nette Menschen sind.