Strukturen müssen ausgebaut werden

Als der Bürgermeister bei der Informationsveranstaltung über die Errichtung der Wohnanlage für anerkannte Asylbewerber in der Baumannstraße bekanntgab, dass bei der Gemeinde ein Bauantrag für eine weitere private Unterkunft am Anger für bis zu 60 Asylbewerber eingegangen ist, ging ein Raunen durch den Saal. Diese Information war sowohl für die anwesenden Bürger als auch für die Helfer der Flüchtlingshilfe neu und sorgte für einige Fragen im Anschluss an den Informationsteil. Hier wurden neben den Erfahrungen im Umgang mit den bereits im Ort lebenden Flüchtlingen auch die Ängste einiger Einheimischer und der Umgang mit den zukünftigen Neuankömmlingen thematisiert . Insbesondere die durch die Belegung der Turnhalle mit ca. 240 Asylbewerbern bedingten Probleme im Nachbarort Prien sind Grund für die Befürchtung einiger Bernauer, dass es hier im Ort zu ähnlichen Entwicklungen kommen könnte.
Herr Feitl, der Vorsitzende der Flüchtlingshilfe, konnte zumindest für die 70 bereits in Bernau untergebrachten Flüchtlinge und Asylbewerber anführen, dass es keine Probleme mit diesen gibt, was auch durch die zahlreichen, anwesenden Bernauer bestätigt wurde. Als Antwort auf die Sicherheitsbedenken gab Bürgermeister Bernhofer im Einklang mit der Bernauer Flüchtlingshilfe den Hinweis auf das Konzept „Sicherheit durch Integration“. Je besser sich die Asylbewerber mit unseren Rechten und Pflichten auskennen und im Ort eingebunden sind, um so unwahrscheinlicher werden Konflikte. Selbst die kritischsten Bürger an diesem Abend konnten auch auf Nachfrage keine Alternativen zu diesem Konzept nennen.
Bei einem Zuwachs von bis zu 120 Asylbewerbern und anerkannten Flüchtlingen ist diese Aufgabe aber nicht mehr mit den jetzigen Mitteln der Bernauer Flüchtlingshilfe zu stemmen. Neben grundsätzlichen Verbesserungen der Strukturen innerhalb des Vereins und der Suche nach weiteren Helfern ist zudem eine hauptamtliche Stelle dringend erforderlich, um die täglich anfallenden Aufgaben zu bewerkstelligen. Nur so ist der Verein zuversichtlich, dass das Konzept „Sicherheit durch Integration“ funktionieren kann.
Das Thema „Asyl und Flüchtlinge“ führt immer zu Diskussionen, die die politischen Entscheidungen – egal welcher Richtung – in Frage stellen. Weder der Verein noch die Gemeinde können allerdings an diesen Entscheidungen etwas ändern. Die Aufgabe hier im Ort kann also nur darin bestehen, gemeinsam die Folgen dieser Entscheidungen zum Wohle aller Menschen in Bernau so gut wie möglich zu meistern.