Die ersten syrischen Kontingentflüchtlinge sind da

Letzten Mittwoch kamen die ersten Kontingentflüchtlinge aus Syrien bei uns in Bernau an. Nachdem sie im Durchgangslager Friedland – das bereits seit 1945 als solches fungiert – ihren ersten Aufenthalt gefunden hatten, wurde den drei syrischen Familien letzte Woche Bernau als Ort ihrer zukünftigen Unterkunft eröffnet. Nach mehrstündiger Wartezeit auf den Bus und einer achtstündigen Fahrt kamen die 13 Menschen dann hier im ehemaligen Egartnerhof an.

 

Auch wenn wir uns eine unproblematische Einquartierung wie bei den Asylbewerbern im Alten Rathaus gewünscht hätten, kam es doch anders. Um die Ursachen dafür zu erklären und den auch bei den anwesenden Helfern entstandenen ersten Eindruck gerade zu rücken, muss weiter ausgeholt und die Situation der syrischen Flüchtlinge vor und bei ihrer Ankunft erläutert werden.

Bei diesen Flüchtlingen aus Syrien handelt es sich – wie durch Funk und Fernsehen bekannt – nicht um Asylbewerber, sondern um sogenannte Kontingentflüchtlinge, die kein Asylverfahren mehr durchlaufen müssen, sondern auf Grund des Krieges in Syrien bereits eine Aufenthaltsgewährung in den Aufnahmestaaten erhalten haben. Durch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) werden die berechtigten Personen ausgewählt und dann auf die Länder – darunter nicht nur Deutschland, sondern u.a. auch die USA und Kanada – verteilt. Das Programm zur Aufnahme in Deutschland ist bereits abgeschlossen und die von Deutschland zur Verfügung gestellten 20000 Plätze sind vergeben. Neben Familienzusammenführung spielt der Bildungsgrad wohl auch eine Rolle, denn bei unseren neuen Gästen handelt es sich um hochqualifizierte Arbeitskräfte samt ihren Familien.

Schon im Auswahlprogramm sind den Flüchtlingen durch das UNHCR Versprechungen zu ihrer Unterkunft gemacht worden. Unter anderem pro Familie eine eigene Wohnung und die Möglichkeit zur Ausbildung der Kinder. In Bezug auf die Unterkunft kam es dann zu den ersten Diskussionen, denn der noch nicht bezugsfertige Egartnerhof entspricht nicht gerade dem versprochenen Standard „eine Wohnung pro Familie“. So fehlt z.B. in diesem Haus die Möblierung für einen Großteil der Zimmer und bis Freitag – zwei Tage nach ihrer Ankunft - gab es kein Öl für die Warmwasserbereitung. Des Weiteren fehlten Anschlussmöglichkeiten für die vorhandenen Kühlschränke sowie einige Bettdecken und Kopfkissen. Die Regierung von Oberbayern hat es leider versäumt, rechtzeitig für eine bezugsfertige Unterkunft zu sorgen. Grundsätzlich kann man hier weder unseren syrischen Familien noch dem UNHCR Vorwürfe machen. Insbesondere in den USA und Kanada werden tatsächlich Siedlungen mit Häusern aufgestellt, die den Flüchtlingen zur Verfügung stehen. Dass dieses Vorgehen gerade im dicht besiedelten Oberbayern nicht durchführbar ist, dürfte den beteiligten Parteien nicht bewusst gewesen sein.

Dies führte zu einigen Verwerfungen und Enttäuschungen bei den syrischen Familien, die sich durch das durchgeführte Auswahlprogramm als von Deutschland „eingeladen“ und als Gäste fühlen.

Die entscheidenden Punkte, die zu größeren Komplikationen bei der Einquartierung führten, sind einerseits die mangelnde Umsetzung von vorbereitenden Maßnahmen hinsichtlich der bevorstehenden Ankunft der Flüchtlinge durch die Regierung von Oberbayern und anderseits der eigentliche Empfang gewesen.

Um die Unterkunft beziehen zu dürfen, mussten die Flüchtlinge eine Abtretungserklärung unterzeichnen. Diese besagt im Grunde nur, dass sie – sobald sie eine Arbeitsstelle gefunden haben – Miete zahlen müssen. Falls das nicht geschieht, hat der Freistaat Bayern die Möglichkeit, die Kosten einzuziehen.

Schon für Deutsche sind juristische Texte nicht immer leicht zu verstehen. Für Ausländer – auch wenn sie, wie zum Teil unsere Gäste, sehr gut Englisch sprechen – sind juristische Texte auf Deutsch absolut unverständlich. Leider wurde es von der Regierung versäumt, eine englische bzw. arabische Übersetzung dieser Abtretungserklärung zu erstellen oder alternativ einen Dolmetscher zur Verfügung zu stellen. Da man – wie jedes Kind in der Schule lernt - grundsätzlich nichts unterschreiben sollte, das man nicht versteht, weigerten sich die anwesenden syrischen Flüchtlinge auch zu Recht zu unterzeichnen.

Obwohl niemals zur Debatte stand, dass die Abtretung an sich nicht korrekt wäre, konnte trotz langwieriger Bemühungen seitens unseres Helferkreises erst durch das Versprechen des Bürgermeisters, dass sich außer genanntem Inhalt keine weiteren Klauseln in der Abtretungserklärung befinden, die Sache geklärt werden und die Einquartierung stattfinden.

Deutschland tut viel für Flüchtlinge. Nicht nur auf privater, sondern auch auf staatlicher Ebene. Deswegen erwarten wir als Deutsche Dankbarkeit von den Menschen, die aus Not und Krieg zu uns kommen. Solche Situationen, wie hier geschehen, erscheinen auf den ersten Blick als Ausdruck der Undankbarkeit. Fehlerhafte Versprechungen, missverständliche Formulierungen und mangelhafte Umsetzung können allerdings so ein erstes Zusammentreffen negativ beeinflussen.

Wenn man sich trotzdem die Mühe macht, die Gründe herauszuarbeiten, bleibt oft von dem ersten Eindruck wenig übrig und man merkt, dass der Mensch gegenüber eigentlich „voll in Ordnung“ ist und auch nur versucht, seiner Familie ein anständiges Leben zu ermöglichen.